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Die Autonomie — Erster Band — Eine Kritik der postmenschlichen politischen Ökonomie by Dr. Shayan Salehi H.C.
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Die Autonomie

Erster Band — Eine Kritik der postmenschlichen politischen Ökonomie

By Dr. Shayan Salehi H.C.Deutsch2025

Was geschieht mit einer Wirtschaftsordnung, wenn der Mensch aufhört, in ihr notwendig zu sein?

Seit Adam Smith und Karl Marx ruht das ganze Gebäude der politischen Ökonomie auf einer einzigen, selten ausgesprochenen Voraussetzung: daß derjenige, welcher produziert, auch derjenige ist, welcher konsumiert. Der Arbeiter empfängt Lohn, mit dem Lohn kauft er zurück, was er hergestellt hat, und so schließt sich der Kreis, in welchem das Kapital sich verwertet. Auf dieser stillen Annahme beruht die Nationalökonomie, die sozialistische Kritik und der ganze Wohlfahrtsstaat des zwanzigsten Jahrhunderts.

Diese Annahme ist im Begriff zu zerbrechen.

In der Tradition und im Stil von Marxens Kapital unternimmt Die Autonomie die erste systematische Analyse jener historischen Zäsur, in der wir stehen, ohne sie recht begriffen zu haben: der Mensch wird als Produzent ersetzt — nicht graduell, wie in allen früheren Umwälzungen, sondern endgültig, weil die Maschine diesmal auch in seine letzten Zufluchtsorte — Sprache, Urteil, Ersinnen — eindringt. Zugleich wächst eine neue Figur heran, welche die klassische Ökonomie nicht kannte: die Maschine als Konsument. Was der Mensch nicht mehr kaufen kann, weil sein Lohn versiegt, beginnt der Apparat zu kaufen — Energie, Rechenzeit, Rohstoffe, Modelle — in einem geschlossenen Kreislauf, aus welchem die Menschheit allmählich ausgeschlossen wird.

Auf 34.000 Wörtern und in sechzehn Kapiteln entwickelt der erste Band dieses Werkes die neue politische Ökonomie einer Epoche, in der das Kapital sich zum ersten Mal in seiner Geschichte ohne fremden Willen verwertet.

Die Autonomie ist kein Manifest und keine Prophetie. Es ist, im strengsten Sinne, eine Kritik: die begriffliche Vermessung einer Lage, in der die Kategorien, mit denen wir zu denken gewohnt waren — Arbeit, Lohn, Klasse, Eigentum, Wert — ihren Gegenstand nicht mehr treffen. Wer das Buch zu Ende liest, wird nicht getröstet, aber er wird die Verhältnisse, in denen er lebt, mit anderen Augen sehen. Das Grundeinkommen erscheint als Rente der Abgedankten; die Plattform als neue Form des Marktes, die selbst Akteur in ihm ist; die Infrastruktur als Versiegen des Außen, in welches man einst vor der Ökonomie fliehen konnte; das stille Sterben der Mittelklasse als Ausdruck eines strukturellen Gesetzes, nicht einer Konjunktur.

Ein Werk für Ökonomen, die spüren, daß ihre Formeln die Wirklichkeit nicht mehr einholen; für Juristen, die vor der Frage der maschinellen Rechtspersönlichkeit stehen; für Philosophen, die sich fragen, was vom Menschen bleibt, wenn seine ökonomische Funktion entfällt; für Unternehmer, die ihre eigene Industrie mit anderen Augen verstehen wollen; und für alle, denen die Ahnung kommt, daß die Gegenwart nicht einfach eine schnellere Vergangenheit ist, sondern der Anfang von etwas, wofür wir die Worte noch suchen.

De te fabula narratur.

  • Eine neue Warenlehre, welche den Gebrauchswert in einen menschlichen und einen maschinellen spaltet
  • Eine neue Mehrwerttheorie, welche zeigt, wie Profit ohne Ausbeutung eines Arbeiters entsteht
  • Der Begriff der Verfügungszeit des Kapitals als neue Substanz des Wertes anstelle der Arbeitszeit
  • Eine Analyse des Fetischcharakters des Algorithmus, welcher den Schein der Autonomie erzeugt, wo in Wahrheit ein Eigentümer handelt
  • Eine Theorie der Orchestrierung als Nachfolgerin der Kooperation und der Teilung der Arbeit
  • Das allgemeine Gesetz der autonomen Akkumulation: der Verelendung, die nicht mehr den Produzenten, sondern den Konsumenten trifft
  • Die ursprüngliche Akkumulation der Daten: der stille, aber durchgreifende Raub der Selbstäußerung der Gattung